Zonsondergang bij een meer met bomen

Jugendstil ist bis heute ein Stil, der sofort fasziniert: ornamentale Linien, florale Ranken, elegante Flächen, manchmal streng geometrisch – und immer mit dem Gefühl, dass Kunst plötzlich nicht mehr nur im Museum stattfindet, sondern mitten im Leben. Entstanden ist der Jugendstil um 1895 als bewusste Gegenbewegung zum konservativen Wilhelminismus und als künstlerische Antwort auf den Historismus. Statt „so macht man das“ galt plötzlich: ausprobieren, neu denken, Grenzen verschieben. Genau diese Experimentierfreude ist bis heute der Grund, warum Jugendstil so modern wirkt.

Vielfalt statt Einheitslook

Wer Jugendstil nur mit Blumen und geschwungenen Linien verbindet, sieht nur eine Seite. Denn die Epoche war alles andere als homogen: Manche Künstlerinnen und Künstler liebten das Florale, andere arbeiteten klarer, fast grafisch und geometrisierend. Dazu kamen nationale und regionale Unterschiede – so stark, dass sich keine einheitliche Formensprache herausbildete. Der gemeinsame Nenner war ausgerechnet die Vielfalt. Und auch die Namen erzählen davon: In Frankreich heißt es Art Nouveau, in England Modern Style, in Italien Liberty Style, in Österreich Secessionsstil, in Spanien Modernismo, in Dänemark Skønvirke – und in Schweden setzte sich überraschenderweise der deutsche Begriff „Jugendstil“ durch.

Warum Keramik plötzlich Kunst wurde

Spannend ist, dass Keramik bis etwa 1900 kaum als künstlerisches Medium ernst genommen wurde. Das lag an der alten Rangordnung der Künste: Architektur, Malerei und Bildhauerei galten als „hoch“, Kunsthandwerk eher als dekorativ oder zweitrangig. Doch genau das änderte sich im Jugendstil radikal. Im Sinne des Gesamtkunstwerks wurde das ganze Leben zur Bühne für Gestaltung: Wohnräume, Möbel, Tapeten, Vorhänge, Glasfenster, Besteck – und eben auch Geschirr und Keramik. Alles sollte zum Stil einer neuen Zeit passen. Der Jugendstil dachte nicht in einzelnen Disziplinen, sondern in Lebenswelten. Und das führte zu einem besonderen Moment: Der „Universalkünstler“ griff selbst zur Töpferscheibe. Unikat-Keramik wurde nicht mehr als Gebrauchskram gesehen, sondern als integraler Teil einer neuen, modernen Lebenskultur.

Alleskünstler statt Spezialisten

Begriffe wie „Raumkunst“, „Gesamtkunstwerk“ und „Universalkünstler“ sind typisch für diese Ära. Viele der prägenden Köpfe waren echte Grenzgänger: Émile Gallé, Henry van de Velde, Richard Riemerschmid, Peter Behrens, Joseph Maria Olbrich oder Max Laeuger arbeiteten nicht nur in einem Feld, sondern wechselten selbstverständlich zwischen Design, Architektur, Kunsthandwerk und freier Kunst. Peter Behrens brachte diese Haltung in einem Satz auf den Punkt: „Stil ist das Symbol des Gesamtempfindens, der ganzen Lebensauffassung einer Zeit, und zeigt sich nur im Universum aller Künste.“

Ausstellungstipp: „Jugendstil international“ in Staufen

Wer diese Idee von Keramik als Kunst und Lifestyle-Statement erleben will, kann das ab 6. Februar 2026 im Keramikmuseum Staufen. Die Ausstellung „Jugendstil international – Keramische Kunst ohne Grenzen“ zeigt Jugendstil-Keramik in ihrer internationalen Vielfalt – als Stil ohne Grenzen und als Kunstform, die viel mehr war als Dekoration. Laufzeit: 6. Februar 2026 – 28. November 2027. Öffnungszeiten: Mi–Sa 14–17 Uhr, So 12–17 Uhr. Eintritt: 2,50 Euro / ermäßigt 1,50 Euro. Freier Eintritt mit dem Museums-Pass-Musées.

Alle Infos: https://www.landesmuseum.de/