Das Bild zeigt die Schwarzenbachtalsperre lerrgepumpt

Dunkelheit, feuchte Felsen, enge Stollen und plötzlich eine riesige unterirdische Halle: Eine Führung durch die Sala Silvergruva in Västmanland ist kein gewöhnlicher Museumsbesuch. Hier geht es hinunter in eine Welt, in der über Jahrhunderte Silber abgebaut wurde – und in der man sehr schnell versteht, wie hart das Leben der Bergleute gewesen sein muss.

Es beginnt eigentlich ganz unspektakulär. Über der Erde liegt das historische Bergbaugebiet von Sala Silvergruva, umgeben von den Landschaften Västmanlands. Doch wenige Minuten später steht man mit Helm am Eingang zum Berg. Vor einem liegen Treppen, dunkle Stollen und Gestein, das bereits seit Jahrhunderten bearbeitet wurde.

Dann geht es hinunter.

60 Meter unter der Erde

Die klassische Führung führt bis auf die 60-Meter-Ebene. Der Weg verläuft über Treppen durch teilweise rußgeschwärzte und abschüssige Stollen. Immer wieder öffnen sich Schächte und größere Felsräume. Der Kontrast zwischen den engen Gängen und den gewaltigen unterirdischen Hallen macht den besonderen Reiz der Tour aus.

Je tiefer man kommt, desto stärker verändert sich die Atmosphäre. Das Tageslicht verschwindet, die Geräusche werden gedämpft und die Temperatur fällt deutlich ab. Man läuft nicht einfach durch einen historischen Ort – man bewegt sich tatsächlich durch die Räume, in denen Bergleute gearbeitet haben.

Und genau das macht die Tour so eindringlich.

Denn hier bekommt Geschichte plötzlich eine körperliche Dimension: die Kälte, die Dunkelheit, die unebenen Wege und die Vorstellung, dass Menschen diese Stollen nicht mit moderner Beleuchtung und Sicherheitstechnik betreten haben, sondern mit einfachen Werkzeugen und unter erheblich gefährlicheren Bedingungen.

Wo Silber für die schwedische Krone gewonnen wurde

Die Geschichte der Sala Silvergruva reicht mehr als 500 Jahre zurück. Der Silberabbau begann bereits am Ende des 15. Jahrhunderts und wurde zunächst bis 1908 betrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bergbau noch einmal aufgenommen und schließlich 1962 endgültig beendet.

Sala war dabei weit mehr als irgendeine regionale Mine. Das hier gewonnene Silber war für die schwedische Krone von großer Bedeutung. Über Jahrhunderte wurde im Berg nach dem wertvollen Erz gesucht, das anschließend unter anderem für Münzen verwendet wurde.

Und die Dimensionen der historischen Mine sind gewaltig: Das Grubengebiet umfasst rund 20 Kilometer Stollen, etwa 200 Felsräume und zahlreiche Schächte.

Man kann also durchaus sagen: Die eigentliche Sala Silvergruva ist eine unterirdische Stadt.

Ein Schacht so tief wie der Eiffelturm hoch

Besonders beeindruckend ist die Geschichte der großen Schächte.

Der Carl-XI-Schacht reicht bis zu einer Tiefe von 318,6 Metern – fast so tief, wie der Eiffelturm hoch ist. Der Schacht der Königin Christina, der Drottning Christinas schakt, wurde im 17. Jahrhundert zu einem der größten Bergbauprojekte seiner Zeit.

Auch Könige ließen sich in die Tiefe hinab. Als Karl XI. 1687 die Mine besuchte, wurde er in einem blau gestrichenen Erzfass mit einer Sitzbank in den Schacht hinuntergelassen. Der König verbrachte einen ganzen Tag unter Tage. Das historische Fass ist noch heute auf dem Gelände zu sehen.

Allein die Vorstellung ist ziemlich spektakulär: Ein schwedischer König steigt mehrere hundert Meter tief in einen Berg hinab – in einem Erzfass.

Die Stille unter Tage

Was mich bei der Tour am meisten beeindruckt, ist allerdings nicht unbedingt eine einzelne Zahl oder eine historische Anekdote.

Es ist die Stille.

Wenn die Gruppe für einen Moment stehen bleibt und der Guide nicht spricht, ist plötzlich fast nichts mehr zu hören. Kein Wind, kein Verkehr, kein Vogel. Nur der eigene Atem und manchmal ein Tropfen Wasser.

Dann bekommt man eine Ahnung davon, wie abgeschieden die Arbeitswelt der Bergleute gewesen sein muss.

Und gleichzeitig wird deutlich, warum der Bergbau eine so harte Arbeit war. Die Menschen arbeiteten mit einfachen Werkzeugen, lösten das Gestein Stück für Stück und verbrachten viele Stunden in einer Umgebung, die dunkel, kalt, feucht und gefährlich war. Genau diese Lebens- und Arbeitsbedingungen gehören zu den zentralen Themen der Führungen.

Mehr als eine Mine

Wer nach der Führung wieder ans Tageslicht kommt, sollte nicht sofort weiterfahren.

Das historische Gelände von Sala Silvergruva ist selbst einen längeren Aufenthalt wert. Insgesamt gehören 48 historische Gebäude aus verschiedenen Jahrhunderten zum Bergbaugebiet. Sie erzählen davon, wie eng die gesamte Siedlung mit dem Bergbau verbunden war.

Dazu kommen verschiedene Ausstellungen. Im Ångmaskinhuset geht es unter anderem um die Geschichte des Bergwerks und den Weg in die Tiefe des Drottning-Christina-Schachts. Im Skrädhuset kann man sogar mit einer VR-Brille in den Schacht hinabsteigen. Eine weitere Ausstellung beschäftigt sich mit dem Tauchen in den wassergefüllten Bereichen der Mine.

Besonders interessant ist auch die historische Bergbausiedlung.

Und wer nach so viel Untertage-Abenteuer Hunger bekommt, kann im Bereich der Mine einkehren. Die Konstmästargården beherbergt ein Restaurant und Café. Es gibt außerdem die Möglichkeit, direkt auf dem historischen Gelände zu übernachten.

Welche Tour lohnt sich?

Die Sala Silvergruva bietet verschiedene Möglichkeiten, die Mine kennenzulernen.

Die klassische 60-Meter-Führung dauert etwa 75 Minuten und führt mit einem Guide über Treppen in die Tiefe. Aktuell kostet sie 275 SEK pro Person.

Wer mehr Abenteuer möchte, kann die Great Mine Tour / Stora gruvturen – Makalös special wählen. Diese dreistündige Tour führt ebenfalls in die Tiefe, erschließt aber zusätzliche Bereiche auf der 55- und 60-Meter-Ebene. Dort kann es nass und schlammig werden, und teilweise geht es auch abseits der beleuchteten Wege in völlige Dunkelheit. Die aktuelle Website nennt dafür 895 SEK pro Person.

Für die große Tour werden deshalb ausdrücklich warme Kleidung, festes Schuhwerk, Handschuhe und eine eigene Taschenlampe empfohlen. Ein Helm wird vor Ort gestellt.

Mein Tipp: Wer die Mine zum ersten Mal besucht, sollte nicht nur wegen der Geschichte kommen. Die eigentliche Faszination entsteht dadurch, dass man selbst hinuntergeht. Festes Schuhwerk und warme Kleidung sind deshalb wichtiger als ein besonders schickes Ausflugsoutfit.

Anreise nach Sala Silvergruva

Sala Silvergruva liegt bei Sala in Västmanland, nördlich von Västerås. Die Adresse lautet:

Sala Silvergruva Drottning Christinas väg 733 36 Sala

Auch ohne Auto ist die Mine erreichbar. Von Sala resercentrum fahren die Buslinien 61, 62 und 569 in Richtung Bergwerk. Je nach Linie steigt man an der Haltestelle Styrars oder Gruvan aus.

Infos: https://www.salasilvergruva.se/en/