
Country-Legenden, legendäre Gitarren und chromblitzende Ami-Schlitten: Im Herzen Schwedens trifft amerikanische Musikgeschichte auf eine Autokultur, die man eher in den Südstaaten der USA vermuten würde. Ein Roadtrip durch Hälsingland und Dalarna führt zu zwei außergewöhnlichen Museen – und mitten hinein in eine Welt, in der die 1950er-Jahre irgendwie nie aufgehört haben.
Country für die Ewigkeit: das Jim Reeves Museum
Wer bei Schweden nur an ABBA, Elche und rote Holzhäuser denkt, hat noch nicht alle Facetten des Landes kennengelernt. In Voxna, mitten in Hälsingland, wartet ein Ziel, das Country-Fans überraschen dürfte: das Jim Reeves Museum.
Der amerikanische Sänger Jim Reeves gehörte zu den großen Stimmen der Country-Musik. Mit seinem samtweichen Bariton und seinem unverwechselbaren Nashville Sound wurde er international bekannt. Songs wie „He’ll Have to Go“ machten ihn zum Star – und seine Musik fand auch in Europa ein begeistertes Publikum.
Dass ausgerechnet im schwedischen Hinterland ein Museum an den Musiker erinnert, ist eine dieser Geschichten, die einen Roadtrip besonders machen. Museumsgründer Björn Herlin hat über viele Jahre eine umfangreiche Sammlung zusammengetragen, die das Leben und die Karriere des Sängers dokumentiert. Fotografien, Erinnerungsstücke und persönliche Gegenstände erzählen von einem Künstler, dessen Musik Generationen überdauert hat.
Wir durften Björn Herlin persönlich kennenlernen und das Museum bei einer Privatführung entdecken. Er nahm sich Zeit für uns und bereicherte den wundervollen Nachmittag mit herrlichen Rock’n’Roll-Anekdoten. Zwischen den Erinnerungsstücken und Geschichten über Jim Reeves wurde schnell klar, wie viel Leidenschaft hinter dieser Sammlung steckt. Es war nicht einfach nur ein Museumsbesuch, sondern eine ganz persönliche Begegnung mit einem Menschen, der seine Begeisterung für Musik und ihre Geschichte mit anderen teilt.
Genau solche Erlebnisse machen einen Roadtrip besonders: Man fährt nicht einfach zu einer Sehenswürdigkeit, hakt sie ab und fährt weiter. Man begegnet Menschen, hört Geschichten und nimmt Eindrücke mit, die in keinem Reiseführer stehen.
Das Museum liegt abseits der großen Touristenrouten. Gerade das macht seinen Reiz aus. Hier geht es nicht um eine perfekt inszenierte Attraktion, sondern um die Leidenschaft eines Sammlers und die anhaltende Begeisterung für einen Musiker, dessen Stimme bis heute Country-Fans berührt.
Tipp für den Besuch: Das Museum ist nach vorheriger Terminvereinbarung zugänglich. Vor der Anreise sollte man sich deshalb unbedingt anmelden.
Von Country zu Rock: das Hagströmmuseet in Älvdalen
Weiter westlich, in Dalarna, wartet der nächste Stopp für Musikfans: das Hagströmmuseet in Älvdalen. Hier dreht sich alles um einen Namen, der Musikgeschichte geschrieben hat – Hagström.
1925 gründete Albin Hagström sein Unternehmen. Zunächst konzentrierte sich die Firma auf Akkordeons, später kamen Gitarren hinzu. Aus dem Betrieb in der kleinen schwedischen Gemeinde wurde ein international bekannter Instrumentenhersteller.
Im Museum lassen sich historische Akkordeons und Gitarren entdecken, die von der Entwicklung des Unternehmens erzählen. Die Instrumente sind nicht nur Zeugnisse schwedischer Industriegeschichte, sondern auch Teil der internationalen Rockgeschichte.
Hagström-Gitarren wurden von zahlreichen bekannten Musikern gespielt. Der Name steht für eine Zeit, in der elektrische Gitarren zum Symbol einer musikalischen Revolution wurden – für neue Sounds, neue Bühnenpersönlichkeiten und eine Jugendkultur, die sich ihre eigene Musik schuf.
Der Besuch zeigt, wie eng lokale Handwerkskunst und globale Popkultur miteinander verbunden sein können. In Älvdalen, weit entfernt von den großen Musikmetropolen, entstand ein Stück Musikgeschichte, das weit über Schweden hinausstrahlte.
Schweden oder die USA? Die Sache mit den Ami-Schlitten
Doch auf einem Rock’n’Roll-Roadtrip durch Mittelschweden sind die Museen nur ein Teil des Erlebnisses. Denn irgendwann fällt auf, dass hier auf den Straßen erstaunlich viele amerikanische Oldtimer unterwegs sind. Riesige Karosserien, ausladende Heckflossen, glänzender Chrom und Fahrzeuge, die aussehen, als wären sie direkt aus einem amerikanischen Film der 1950er-Jahre gerollt.
Man könnte fast meinen, man sei versehentlich in den USA gelandet. Tatsächlich gehört Schweden zu den Ländern, in denen die Liebe zu amerikanischen Klassikern besonders lebendig ist. Vor allem in Dalarna und Hälsingland hat sich eine ausgeprägte Auto- und Nostalgiekultur entwickelt.
Die Szene wird häufig mit dem Begriff „Raggare“ verbunden. Die Bewegung entstand in den 1950er-Jahren und verbindet die Begeisterung für amerikanische Autos mit Rock’n’Roll, Rockabilly und einem ganz eigenen Retro-Stil. Für viele ist das mehr als ein Hobby: Die Fahrzeuge werden restauriert, gepflegt und bei Treffen und sogenannten Cruisings präsentiert.
Gerade im Sommer verwandeln sich manche Orte in rollende Freiluftmuseen. Dann gleiten alte amerikanische Straßenkreuzer durch die Straßen, während aus den Lautsprechern die Musik vergangener Jahrzehnte klingt. Die Begeisterung ist dabei keineswegs auf eine Generation beschränkt. Auch jüngere Fans interessieren sich für die Fahrzeuge und die Kultur dahinter.
Ob es hier tatsächlich mehr alte amerikanische Autos gibt als irgendwo sonst auf der Welt, lässt sich kaum pauschal sagen. Der Eindruck ist aber nachvollziehbar: Schweden hat eine bemerkenswert lebendige Szene für klassische US-Fahrzeuge, und gerade in den ländlichen Regionen ist sie kaum zu übersehen.
Zwei Museen, ein Lebensgefühl
Das Jim Reeves Museum und das Hagströmmuseet erzählen unterschiedliche Geschichten. Das eine bewahrt die Erinnerung an eine unverwechselbare Country-Stimme, das andere an schwedische Instrumente, die ihren Weg auf internationale Bühnen fanden.
Zusammen mit den amerikanischen Oldtimern entlang der Straßen ergibt sich daraus eine ungewöhnliche Reise durch Musik-, Technik- und Popkulturgeschichte. Hier treffen schwedische Provinzlandschaften auf amerikanische Nostalgie, Country auf Rock und regionale Handwerksgeschichte auf globale Musiklegenden.
Wer sich für Musik und historische Fahrzeuge begeistert, findet zwischen Hälsingland und Dalarna deshalb eine Roadtrip-Route, die weit mehr bietet als schöne Landschaften. Man muss dafür nicht einmal bis nach Nashville oder Detroit fahren. Manchmal reicht eine Landstraße durch Mittelschweden – und ein bisschen Rock’n’Roll im Gepäck.
- Jim Reeves Museum in Voxna: www.jimreeves.se – Informationen zur Sammlung, Fotos und Kontakt für Besuchstermine.
- Hagströmmuseet in Älvdalen: Rockdale – Hagströmmuseet – Wissenswertes über die Geschichte der Hagström-Instrumente und den Museumsbesuch.



