Das Bild zeigt die Schwarzenbachtalsperre lerrgepumpt

Die Schwarzenbachtalsperre im Nordschwarzwald ist ein Ort voller Mythen und Geschichten. Zwischen Erzählungen über versunkene Naziflugzeuge, verborgene Schätze und Leichen ranken sich zahlreiche Legenden um den Stausee.

 

 

Die geheimnisvolle Schwarzenbachtalsperre im Nordschwarzwald zeigt sich derzeit in einem Zustand, der fast unwirklich wirkt: Der sonst tiefblaue Stausee ist vollständig entleert. Grund dafür sind umfangreiche Sanierungsarbeiten an Staumauer und technischer Infrastruktur. Bereits im Herbst 2024 wurde das Wasser abgelassen, eine Wiederbefüllung ist nach aktuellem Stand frühestens ab 2027 vorgesehen.

Jetzt, da das Wasser abgelassen wurde, zeigt sich die Talsperre plötzlich von einer völlig anderen, fast surrealen Seite. Was sonst unter einer geschlossenen Wasserfläche verborgen liegt, tritt nun offen zutage – ein weiter, zerfurchter und stellenweise begehbar wirkender Seeboden, der eher an eine fremde Landschaft erinnert als an ein bekanntes Ausflugsziel. Doch der Eindruck täuscht: Der Untergrund ist tückisch, instabil und in Teilen hochgefährlich.

Einsätze in einer Landschaft ohne Wasser

Innerhalb kurzer Zeit musste die Bergwacht gleich zweimal in den freigelegten Stauseekessel ausrücken. Eine Frau rutschte im steilen Uferbereich ab und verletzte sich. Einsatzkräfte übernahmen die Erstversorgung und brachten sie aus dem schwer zugänglichen Gelände.

Nur wenig später kam es zu einem weiteren, deutlich komplizierteren Einsatz: Ein Mann versank im schlammigen Untergrund und konnte sich nicht mehr selbst befreien. Der morastige Boden erschwerte jede Bewegung, Helfer sanken selbst teilweise knietief ein. Schließlich wurde ein Rettungshubschrauber angefordert, da ein Abtransport über die rund 300 Meter lange Strecke zu riskant und zu langwierig gewesen wäre.

Warnung vor dem „Sog des Bodens“

Die Feuerwehr Forbach warnt eindringlich vor dem Betreten des freigelegten Seegrunds. Der tiefere Bereich der Talsperre gleicht einem Moor- und Sumpfgebiet, das Menschen regelrecht festhalten kann. Wer dort einsinkt, hat kaum eine Chance, sich aus eigener Kraft zu befreien.

das Bild zeigt die Staumauer der leer gepumpten Schwarzenbachtalsperre im Nordschwarzwald

Trotz klarer Absperrungen und Warnhinweise wird das Gelände zunehmend betreten – oft unterschätzt von Besuchern, die von der ungewöhnlichen Landschaft angezogen werden.

Ein Ort zwischen Geschichte und Tragik

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die Talsperre bereits im März durch einen tragischen Fund: Eine tote Frau wurde im verbliebenen Wasser entdeckt. Die Polizei bestätigte später, dass keine Hinweise auf Fremdverschulden vorlagen. Die Identität konnte inzwischen geklärt werden – es handelt sich um eine 65-jährige Frau aus dem Raum Baden-Baden, die seit 2020 vermisst wurde. Der Fund wurde erst durch die Absenkung des Sees möglich.

Polizei verstärkt Kontrollen

Mit zunehmenden Besucherzahlen und besseren Wetterbedingungen steigt auch das Risiko weiterer gefährlicher Situationen. Die Polizei hat daher ihre Kontrollen rund um das Gelände verstärkt, um das Betretungsverbot konsequenter durchzusetzen.

Ein stiller, aber eindringlicher Ort

Die Verantwortlichen betonen unmissverständlich: Die leere Schwarzenbachtalsperre ist kein Ausflugsziel, sondern ein gesperrter Gefahrenbereich. Was wie eine seltene Gelegenheit für Neugierde wirkt, entpuppt sich vor Ort schnell als unberechenbare Landschaft – geprägt von Schlamm, Abgründen und der Erinnerung daran, dass hier lange Zeit ein ganzer See existierte.