Im Juli führte mich eine Wanderung im Fulufjället Nationalpark in Dalarna zum Njupeskär, einem der spektakulärsten Wasserfälle Schwedens. Ich blieb aber nicht auf dem direkten Weg zum Wasserfall, sondern verlängerte die Tour über den Jaktfalksleden. Eine Wanderung zwischen Wald, Felsen, einer beeindruckenden Steinwüste und ungewöhnlicher schwedischer Sommerhitze.
Schweden und Hitze – für mich gehört das normalerweise nicht unbedingt zusammen. Umso überraschender war es, wie heiß es an diesem Julitag im Fulufjället Nationalpark wurde. Eigentlich war mein Ziel klar: Ich wollte zum Njupeskär. Der Wasserfall gehört zu den bekanntesten Natursehenswürdigkeiten Schwedens und liegt im Fulufjället Nationalpark in Dalarna. Doch aus dem kurzen Ausflug zum Wasserfall wurde eine längere Wanderung. Und genau das war eine gute Entscheidung.
Durch den Wald zum Njupeskär
Vom Naturum führt ein gut ausgeschilderter Weg durch den Wald in Richtung Njupeskär. Zunächst wirkt die Strecke noch beinahe gemütlich. Es geht durch die typische Landschaft des Fulufjället: dichter alter Wald, Felsen, Moose und immer wieder Wasser. Doch irgendwann hört man ihn. Das Rauschen des Wasserfalls wird zunehmend lauter und kündigt an, dass das Ziel nicht mehr weit entfernt ist.
Dann blickt man hinauf durch ein Tal voller Felsen und Steine. Das Wasser stürzt insgesamt 93 Meter über die Felskante in die Tiefe, 70 Meter davon im freien Fall. Damit hat der Njupeskär den höchsten freien Fall eines Wasserfalls in Schweden.
Besonders eindrucksvoll ist dabei nicht nur seine Höhe, sondern die Umgebung: Der Njupeskär wirkt nicht wie ein isoliertes Ausflugsziel, sondern ist eingebettet in eine wilde, ursprüngliche Landschaft. Keine Frage: An diesem heißen Julitag war die Nähe zum Wasser besonders angenehm.
Der Njupeskär ist nur der Anfang
Viele Besucher kommen vor allem wegen des Wasserfalls. Verständlich – der Njupeskär ist schließlich das große Highlight des Fulufjället. Ich wollte allerdings noch mehr vom Nationalpark sehen. Deshalb ging es für mich nicht direkt zurück, sondern weiter auf dem Jaktfalksleden und anschließend wieder in Richtung Njupeskär. Mit jedem zusätzlichen Kilometer veränderte sich auch das Gefühl für die Landschaft. Während der direkte Weg zum Wasserfall noch stark vom Ausflugsziel geprägt ist, wird es auf der längeren Runde ruhiger.
Wald und Felsen wechseln sich ab, dazwischen öffnen sich immer wieder Blicke in die Landschaft. Und vor allem: Ist man erst einmal auf dem Hochplateau angekommen, begegnet man auch wesentlich weniger Menschen, denn der Aufstieg hat es – nicht nur bei Hitze – in sich. Kurz und knackig – würde ich das in Alpinistensprache beschreiben
Eine beeindruckende Steinwüste auf dem Fjäll
Besonders beeindruckt hat mich die Landschaft oberhalb des Wasserfalls. Dort verändert sich die Umgebung noch einmal grundlegend. Statt dichtem Wald breitet sich eine weite, karge Steinwüste aus. Felsen und Geröll bestimmen das Bild, kaum etwas scheint hier zu wachsen. Nach den grünen Waldwegen wirkt die Landschaft beinahe wie eine andere Welt. An diesem heißen Julitag war die Wirkung noch intensiver. Die Sonne stand über der offenen Felslandschaft, Schatten gab es kaum und die Hitze war deutlich zu spüren.
Der Fulufjället ist geologisch tatsächlich eine besondere Landschaft. Das Hochplateau besteht aus Sandstein und ist vergleichsweise flach. Die steilen Abhänge und die Kräfte der Erosion haben die Landschaft über lange Zeit geformt. Oben auf dem Fjäll zeigt sich deshalb eine ganz andere Welt als weiter unten im Wald. Moose, Flechten und kleine Fjällpflanzen können hier mit den rauen Bedingungen umgehen. Die Landschaft wirkt karg und offen.
Die Weite, die Steine und die fast völlige Abwesenheit von Schatten vermitteln ein Gefühl von Wildnis, das ich an diesem Ort besonders intensiv empfunden habe. Und dann ist da wieder der Kontrast zum Wasserfall: Oben die trockene, steinige Weite – weiter unten der Wald und das Wasser des Njupeskär, das sich über die Felskante in die Tiefe stürzt. Gerade dieser Wechsel hat die Wanderung für mich so besonders gemacht.
Auf dem Jaktfalksleden
Der Name des Weges passt übrigens zur Landschaft rund um den Wasserfall. Jaktfalk bedeutet Gerfalke. An den Felswänden des Njupeskär brütet gelegentlich der Gerfalke, der als größter Falke der Welt gilt. Gesehen habe ich bei meiner Wanderung allerdings keinen. Dafür bekam ich einen Eindruck davon, wie unterschiedlich die Landschaft auf relativ kurzer Strecke sein kann. Unten der alte Wald, weiter oben die offene Fjällheide und die karge Steinlandschaft. Der Weg über das Hochplateau ist dabei deutlich anders als der Spaziergang zum Wasserfall. Teilweise ist der Untergrund steinig und uneben, und gerade bei hohen Temperaturen macht sich die zusätzliche Strecke bemerkbar.
Wandern bei großer Hitze
Was auf den Fotos nach einer perfekten schwedischen Sommertour aussieht, hatte allerdings einen kleinen Haken: Es war richtig heiß. Gerade bei einer längeren Wanderung sollte man die Temperaturen im Fulufjället im Sommer nicht unterschätzen. Die Sonne kann kräftig sein, und auf der offenen Landschaft gibt es nur wenig Schatten. Daher: Wer sich für eine der längeren Wanderrouten entscheidet, sollte unbedingt an ausreichend Flüssigkeit, gutes Schuhwerk und Sonnenschutz denken. Immer wieder war ich froh über schattige Abschnitte im Wald. Und was den Wasservorrat betrifft, sollte man sich nicht scheuen, die Flaschen an den Bachläufen aufzufüllen, das machen die Schweden auch – und es schadet ihnen nicht. Die Natur ist unberührt und das Wasser glasklar. Auf der offenen Steinlandschaft dagegen gab es kaum Schutz vor der Sonne. Die Hitze gehörte dadurch am Ende genauso zu dieser Wanderung wie der Wasserfall selbst. Es war eben kein kühler, nebliger Schweden-Sommertag, wie man ihn sich vielleicht vorstellt. Stattdessen strahlte die Sonne auf die Felsen, der Wald war warm und trocken und das Wasser des Njupeskär wirkte umso erfrischender.
Zwischen Wald, Felsen und Wasser
Was mir an der Wanderung besonders gefallen hat, war der ständige Wechsel der Landschaft. Der Fulufjället Nationalpark ist nicht einfach nur das Zuhause eines spektakulären Wasserfalls. Schon der Weg dorthin zeigt, wie unterschiedlich die Landschaft auf relativ kurzer Strecke sein kann. Mal geht es durch dichten alten Wald, dann über felsigere Abschnitte. Immer wieder gibt es kleine Wasserläufe und Stellen, an denen sich die Landschaft weiter öffnet.
Der Übergang vom Wald zur Fjällheide ist dabei besonders eindrucksvoll. Unten wirkt die Landschaft grün und geschlossen, oben wird sie karg, offen und beinahe menschenleer. Der Njupeskär ist der spektakuläre Mittelpunkt – aber die eigentliche Wanderung besteht aus all diesen kleinen Momenten dazwischen. Gerade deshalb würde ich beim Besuch des Fulufjället nicht nur die kurze Strecke zum Wasserfall einplanen, wenn Zeit und Kondition für eine längere Tour vorhanden sind.
Mein Fazit: Nicht nur zum Wasserfall laufen
Der Njupeskär ist natürlich ein hervorragendes Ziel für eine Wanderung. Wer nicht viel Zeit hat, kann sich auf den direkten Weg zum Wasserfall konzentrieren. Ich würde aber, wenn möglich, mehr Zeit einplanen. Die Kombination aus dem Weg zum Njupeskär und der zusätzlichen Runde über den Jaktfalksleden macht aus dem Besuch einen richtigen Wandertag. Man bekommt mehr von der Landschaft mit, entfernt sich ein Stück vom Besucherandrang und erlebt den Fulufjället nicht nur als Kulisse für den Wasserfall.
Wer den Fulufjället Nationalpark besucht, sollte deshalb nicht nur zum Njupeskär gehen, sondern sich Zeit für die Landschaft rundherum nehmen. Der Wasserfall ist das Ziel – aber der Weg dorthin erzählt seine ganz eigene Geschichte.
Alle Infos: (in englischer Sprache) https://www.sverigesnationalparker.se/en/parks/fulufjallet-national-park
Foto: Alle Rechte für alle Fotos liegen bei der Autorin Heike Schwitalla. Jegliche Art der Nutzung nur auf Anfrage

