Das Bild zeigt die Schwarzenbachtalsperre lerrgepumpt

Wer Schweden bereist, denkt meist an rote Holzhäuser, Wälder und unzählige Seen. Doch in der Provinz Hälsingland, rund 300 Kilometer nördlich von Stockholm, verbirgt sich ein noch fast gänzlich unbekannter Kulturschatz, der weltweit einzigartig ist: die Hälsingegårdar. Seit 2012 gehören sieben dieser außergewöhnlichen Bauernhöfe zum UNESCO-Welterbe – ein beeindruckendes Zeugnis von Wohlstand, Handwerkskunst und schwedischer Lebensart. Anders als einfache Bauernhäuser gleichen die Höfe kleinen Herrenhäusern. Sie entstanden zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert, als die Bauern in Hälsingland durch Landwirtschaft, Flachsanbau und Holzhandel zu außergewöhnlichem Wohlstand gelangten. Statt ihr Vermögen in Schlösser oder Stadtvillen zu investieren, bauten sie ihre Höfe immer größer, prächtiger und kunstvoller aus.

Bauernhöfe mit Festzimmern wie aus einem Schloss

Das Besondere an den Hälsingegårdar sind ihre prachtvollen Festzimmer mit ihren fantasievoll handbemalten Wänden und kostbaren Möbeln. Viele Familien richteten ganze Räume ausschließlich für Hochzeiten, Taufen oder andere große Feierlichkeiten ein. Im Alltag blieben diese Zimmer oft verschlossen und wurden kaum genutzt. Die Innenräume überraschen mit aufwendigen Wand- und Deckenmalereien, handgemalten Tapeten, kunstvollen Schablonenmustern und reich verzierten Möbeln. Farbenfrohe Blumenornamente, klassische Motive und detailreiche Dekorationen zeigen eindrucksvoll den Wohlstand und den Stolz ihrer Besitzer.
Gerade diese Kombination aus traditioneller Bauernkultur und außergewöhnlicher Pracht macht die Hälsingegårdar weltweit einzigartig.

Die sieben UNESCO-Höfe

Zum Welterbe gehören sieben besonders gut erhaltene Höfe:

  • Erik-Anders in Asta
  • Bommars in Letsbo
  • Kristofers in Stene
  • Jon-Lars in Långhed
  • Pallars in Långhed
  • Gästgivars in Vallsta
  • Fågelsjö Gammelgård Bortom Åa in Fågelsjö

Jeder Hof besitzt seinen ganz eigenen Charakter. Manche beeindrucken durch ihre Architektur, andere durch außergewöhnlich erhaltene Malereien oder original eingerichtete Wohnräume. Einen idealen Einstieg in das UNESCO-Welterbe bieten die Besucherzentren Ol-Anders (Alfta) und Erik-Anders (Asta bei Söderala). Dort erhalten Besucher Informationen zu den sieben Welterbehöfen, ihrer Geschichte sowie zu Führungen und aktuellen Veranstaltungen.

 

Eine Reise in das ländliche Schweden vergangener Jahrhunderte

Viele der Höfe können heute besichtigt werden. Besucher spazieren durch historische Wohnhäuser, Scheunen und Höfe, entdecken originale Möbel und erfahren, wie die Familien vor über 150 Jahren lebten und arbeiteten. Führungen vermitteln spannende Geschichten über das Alltagsleben, Hochzeitsbräuche und die beeindruckende Baukunst der Region.
Besonders im Sommer herrscht auf vielen Höfen reges Leben. Handwerksvorführungen, Ausstellungen, Konzerte und traditionelle Feste machen Geschichte lebendig.

Mehr als nur schöne Häuser

Die UNESCO nahm die Hälsingegårdar nicht wegen ihrer Größe oder ihres Alters in die Welterbeliste auf. Entscheidend war ihre außergewöhnliche kulturelle Bedeutung. Die Höfe zeigen eindrucksvoll, wie wohlhabende Bauern eine eigenständige Bau- und Wohnkultur entwickelten, die sich deutlich von Adelssitzen und städtischen Bürgerhäusern unterschied. Gleichzeitig dokumentieren sie das hohe handwerkliche Können schwedischer Zimmerleute, Maler und Kunsthandwerker.

Tipps für Besucher

Wer mehrere Höfe entdecken möchte, plant am besten zwei bis drei Tage für die Region Hälsingland ein. Die Höfe liegen verteilt zwischen den Orten Bollnäs, Alfta, Ljusdal und Ovanåker und lassen sich gut mit dem Auto erkunden. Unterwegs warten zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten: dichte Wälder, glasklare Seen, kleine Hofcafés, regionale Spezialitäten und traditionelle Handwerksläden. Viele Besucher kombinieren die Tour mit Wanderungen, Kanufahrten oder einem Abstecher an die Ostseeküste.

Ein verborgenes Juwel Schwedens

Die Hälsingegårdar gehören zu den eindrucksvollsten Kulturschätzen Skandinaviens und sind dennoch außerhalb Schwedens erstaunlich wenig bekannt. Wer das Land jenseits der bekannten Städte erleben möchte, findet hier authentische Geschichte, außergewöhnliche Architektur und eine faszinierende Verbindung aus bäuerlicher Tradition und beeindruckender Kunst.
Ein Besuch der UNESCO-Höfe ist weit mehr als eine Besichtigung historischer Gebäude – er ist eine Reise in eine Zeit, in der Bauern ihre Erfolge nicht mit Schlössern, sondern mit einzigartigen Holzhäusern feierten.

Infos: https://unesco.se/halsingegardarna/
https://www.regiongavleborg.se/halsingegardar

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